| Produktvorstellung: VDO-Dayton Navigationssystem aus KRADBLATT 10/01 von Berthold Reinken Weil lange Motorradreisen über Nebenstraßen von der Planung und Durchführung her meistens sehr aufwendig sind, scheint ein GPS-Navigationssystem für Motorräder durchaus interessant. Wir wollten wissen, ob so etwas auch richtig funktioniert und ließen uns vom Goldwing-Haus Fuchs in Uslar das VDO Dayton System 5000 in die GL 1800 einbauen. Es handelt sich dabei um das gleiche System, das die Firma Baehr seit einiger Zeit unter dem Namen Rudi anbietet. Trotz mehrfacher Kontaktierung dieser Firma waren die Baehr-Leute aus unerfindlichen Gründen aber nicht in der Lage, unserem Wunsch nach Einbau zu entsprechen.
Man kann nicht nur ein festes Ziel in Form einer Stadt (auf Wunsch auch mit Straßenbezeichnung) sondern auch bis zu zehn Wegpunkte eingeben, die auf der Fahrt zum Ziel angesteuert werden sollen. Nur durch diese Möglichkeit macht ein Navigationssystem für das Motorrad Sinn, da man durch geschicktes Setzen der Zwischenziele erreichen kann, dass das Endziel wirklich über die gewünschten Straßen angesteuert wird. Mit einer Zieleingabekarte und Fadenkreuz ist es aber auch möglich, einfach nur eine bestimmte Kreuzung, einen Punkt auf der Landstraße oder zum Beispiel einen See als Zielpunkt zu fixieren.Auf über 7000 Kilometern probierten wir das System aus und stellten dabei fest, dass es noch eine Menge daran zu verbessern gibt. Die Bedienung lässt dabei die wenigsten Wünsche offen. Die Zieleingabe klappt meistens problemlos und wird von der Software logisch unterstützt. Leider ist das System meistens nicht in der Lage, beim Routenkriterium kürzeste Strecke diese auch wirklich zu finden. Beispielsweise führt die kürzeste Strecke von Syke (bei Bremen) nach Verden laut Rechner über Nienburg. Das ist nicht nur ein großer Umweg, sondern absoluter Schwachsinn, da die tatsächlich kürzeste Strecke in Wirklichkeit weniger als halb so lang ist. Da dies leider kein Einzelfall war, nahmen wir Kontakt mit der Firma VDO auf und erhielten die Antwort, wir hätten eine zu alte Systemsoftware und eine veraltete Straßen-CD. Zwar hatten wir bereits zwei Tage später zwei neue CDs im Briefkasten, es waren aber exakt die gleichen. Um auszu-schließen, dass unser Gerät einen Fehler aufweist, gaben wir die gleiche Routenaufgabe bei einem VDO-Händler in sein dortiges Vorführgerät ein, heraus kam der gleiche Unsinn. In der Praxis bedeutet dies, dass man sich den vom Gerät ermittelten Routenverlauf auf dem Monitor immer vorher anschauen muss, um bei derartigen Umwegen durch das Setzen von Zwischenzielen eine wirklich möglichst kurze Strecke zu finden. Dann klappt es aber auch, denn erstaunlicherweise kennt das System plötzlich diese Straßen. Trotz allem kam es immer wieder vor, dass der Rechner keinen Unterschied machte beim Routenverlauf, wenn man beispielsweise vom Routenkriterium Nebenstraßen auf das Routenkriterium kürzeste Strecke oder schnellste Strecke umstellte. Wer sich die Hoffnung macht, mit dem VDO-System Autobahngebühren im Ausland zu sparen, muss leider enttäuscht werden. Beim Durchfahren der Schweiz führte der Rechner beispielsweise trotz Routenkriterium Nebenstraßen immer wieder auf die Autobahn. Hier muss noch nachgebessert werden.Ein Problem gibt es beim Ansteuern eines Zieles über Wegpunkte. Das System führt natürlich immer zum Ortsrand oder Ortszentrum eines Zwischenzieles. Wird das Erreichen des Zwischenzieles von der netten Damenstimme bekanntgegeben, folgt oft anschließend die Anweisung: jetzt bitte zu Wenden, um das nächste Zwischenziel anzufahren. Wenn man verhindern will, dass man immer wieder mal ein paar Kilometer doppelt fährt, muss man grundsätzlich kurz vor Erreichen des Zwischenzieles dieses aus dem Speicher löschen. Das System nimmt dann die nächste Adresse und verzichtet logischerweise auf das genaue Anfahren der letzten Adresse. Derartige Eingaben lassen sich leicht zum Beispiel bei einem Ampelstopp machen. Hat man den Bogen raus, klappt das sehr gut. Alternativ muss man die Zwischenziele mittels des Zieleingabefadenkreuzes mitten auf eine Straße zwischen den einzelnen Wegpunkten legen. Dann geht es natürlich auch weiter geradeaus. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass hin und wieder mal völlig grundlos die Anweisung kommt: wenn möglich bitte wenden oder die Aufforderung nach 100 Metern rechts abzubiegen, obwohl keine Straße vorhanden ist, kommt man eigentlich sehr gut mit dem Navigationssystem klar. Blödsinnige Anweisungen werden vom Rechner schnell wieder vergessen. Man muss einfach nur den Weisungen folgen, die sinnvoll sind. Auch wenn der Rechner hin und wieder mal aussteigt, fährt man einfach weiter. Meistens dauert es nicht lange und die Dame (auf Wunsch übrigens auch ein Herr) wacht wieder auf und gibt vernünftige Weisungen. Zwar kommt es nicht selten vor, dass die Anweisungen an komplizierten Straßenverzweigungen nicht ganz eindeutig sind oder man sie falsch versteht, letzten Endes korrigiert der Rechner aber relativ schnell, wenn man anders gefahren ist. Der Fahrer sollte also bei nicht eindeutigen Anweisungen nicht heftig bremsen, sondern einfach so weiter fahren, wie er es für richtig hält. Notfalls muss nach Hinweis halt mal gewendet werden. Das hört sich alles recht unausgereift an, trotzdem ist das Navigationssystem in der Praxis schon sehr gut brauchbar. Nach wie vor benötigt man eine Straßenkarte, um die Zwischenziele festzulegen, und man muss sich zur Eingabe ein paar Minuten Zeit nehmen. Was aber danach kommt, ist eine völlig neue Dimension des Motorradreisens. Man kann sich voll auf das Fahren und Genießen der Landschaft konzentrieren. Wegweiser können fast ignoriert werden und dienen nur noch zum zwischenzeitlichen Abgleich mit den Anweisungen. Auch in Frankreich benötigten wir die Straßenkarten immer nur morgens zum Route planen. Über den ganzen Fahrtag konnten sie im Topcase bleiben.Wer einmal ein paar tausend Kilometer mit solch einem System gereist ist, wird trotz der Macken nicht mehr darauf verzichten wollen. Auf den CDs sind übrigens noch Sonderziele wie Sehenswürdigkeiten, Werkstätten und Hotels vorhanden, so dass man unterwegs nicht immer nur die an den Hauptstraßen gelegenen Herbergen bewohnt, sondern auch die abseits gelegenen findet. Im Rechner lassen sich 100 feste Adressen, die man öfters benötigt speichern, so dass eine Neueingabe entfällt. Nicht unerwähnt soll der integrierte Bordcomputer bleiben, der die momentane Geschwindigkeit, die Durchschnittsgewindigkeit sowie die gefahrene Zeit und Strecke anzeigt. Auf Wunsch kann ferner eine akustische Geschwindigkeitswarnung eingegeben werden. Wünsche bleiben trotzdem noch offen. Wasserdicht ist der Monitor natürlich nicht, weil das Gerät für Autos entwickelt wurde. Man kann sich aber leicht eine Haube dafür basteln. Leider kann man immer nur die Entfernung zum nächsten Zwischenziel (bzw. dem Endziel, wenn keine Zwischenziele eingegeben sind) ablesen. Es ist also nicht möglich, festzustellen, wie lang die Gesamtstrecke über alle Wegpunkte ist. Eine Abschätzung, ob die gewählte Tour für den Tag nicht zu lang ist, ist also unmöglich, da auch die errechnete Ankunftszeit immer nur das nächste Ziel betrifft. Ferner wäre es schön, wenn die Listen der auf der CD gespeicherten Zielorte mit Postleitzahlen angezeigt würden. Wer zum Beispiel den Ort Heide eingibt, wird erschrecken, wie oft es diesen Ort in Deutschland gibt. Ohne Postleitzahl ist es oft sehr schwierig, den richtigen Ort herauszufinden. Last but not least bleibt der Wunsch, dass ein Navigationssystem für Motorräder deutlich billiger wird. 5500 DM inklusive Einbau sind eine Menge Geld. (Gerätepreis allein 3700 DM) Wer es dafür übrig hat, kann auf jeden Fall gewiss sein, dass die genannten Macken mit der Zeit verschwinden werden und das einmal gekaufte Gerät durch neuere Karten-CDs und System-Software-Updates immer besser werden wird. Sicher wird die nahe Zukunft aber auch Navigationsgeräte bringen, die kompakter sind und keine CDs mehr benötigen. Dann ist es vielleicht auch möglich, ein System zu bauen, das man problemlos in jeden Tankrucksack stecken kann. Und noch ein Hinweis an die Skeptiker: Wer meint, der Navigations-Monitor lenke vom Fahren ab, der sollte mal darauf achten, wie oft er während der Reise auf die Karte im Tankrucksack schaut. |