
Die
Frühlingsgefühle bei den Trägern des Y-Chromosoms werden alljährlich
durch die ersten Sonnenstrahlen vermischt mit dem Klang einer heiseren,
aus dem Winterschlaf wach geküssten und ach so heißgeliebten Maschine
entfacht. Es kommt einem heiligen Ritual gleich, wenn Mann, meistens
unter Zeugen etlicher Geschlechtsgenossen, den Benzinhahn aufdreht und
die Zündung betätigt.
Klappt es etwa beim ersten Mal? Nein, auch
beim zweiten, dritten und vierten Versuch ertönt nur ein verzweifeltes,
gequältes Orgelgeräusch.
Auf den Gesichtern aller Beteiligten, auf denen sich anfänglich die
unterschiedlichsten Mienenspiele von schadenfroh über hämisch bis hin
zu tiefer Betroffenheit gespiegelt haben, entstehen Falten
angestrengten Denkens. Mann muss jetzt stupide Fragen und Ratschläge
über sich ergehen lassen, so als würde er die erste Fahrschulstunde
absolvieren. Sogar eine - eigentlich doch nur bei Frauen vorkommende -
Tankinhaltsschwäche wird in Betracht gezogen.
Nachdem alle Möglichkeiten eines Fehlverhaltens des Fahrers
ausgeschlossen werden können, wird schweres Gerät in Form eines
ansehnlich großen Schlüsselsatzes beigebracht. Das Ergebnis der
halbstündigen Schrauberei beschränkt sich auf den Verdacht, dass die
Zündkerzen wohl nicht mehr in Ordnung seien und man in der Werkstatt
auch gleich die abgerissenen Schrauben ersetzen könne, die bei dem
Versuch dran glauben mussten, das Fach für die Batterie zu öffnen, um
diese wieder aufzuladen.

Noch
nicht zur Aufgabe bereit, wird ein letzter brachialer Versuch des
Anschiebens einer mit Fahrer 320 Kilogramm schweren Maschine in die Tat
umgesetzt. Durch den gewaltigen Schub und die Abbremsung beim
Gangeinlegen ergeben sich unkoordinierte Schlenker, die das Bike fast
in die Horizontale und damit dem Asphalt bedrohlich nahe bringen.
Die Einsicht siegt: Einvernehmlich wird der unumgängliche Weg in die
Werkstatt auf einem Anhänger ins Auge gefasst. Die Helferkolonne rückt
an und verfrachtet die „Suzi” auf den Einachser. Fachmännisch wird sie
für den zehn Kilometer langen Weg gewickelt und vertäut. Mann seufzt
und hofft, der Schaden möge nicht so groß sein...
Unglücklicherweise muss Frau den ersten Anruf des Mechanikers
entgegennehmen. Ob ihr Mann wohl die Sitzbank ausgebaut hätte? Es fehle
das Steuerteil - nämlich jenes gute Stück, welches sich eigentlich
unter der Sitzbank befinden müsse! Frau verspricht, nach Rücksprache
mit Mann am Arbeitsplatz sich gleich wieder zu melden. Mann ist
sichtlich nervös am anderen Ende der Leitung und erklärt ihr, wo die
zweite Sitzbank liegt. Sie soll schauen, ob da ein Teil etwa so groß
wie eine Streichholzschachtel sei.
Nach längerer Suche kann Frau Mann berichten, dass sich etwas
Steckerähnliches fest verschraubt unter dem Sitzkissen befinde.
Allerdings würde dieses Teil mindestens die Größe einer
Zigarettenschachtel haben. Mann meint, egal - das muss es sein! Frau
schnappt sich die gesamte Bank und fährt unverzüglich in die Werkstatt,
wo man sie mindestens zehn Mal penetrant darauf hinweist, dass dieses
Ding, also das Steuerteil, das Herz jeder Maschine sei...
Frau wird das Gefühl nicht los, der Mechaniker meine, sie hätte den
Sitzbankwechsel vollzogen, weil Mann nicht so blöd sein könne.