Anekdoten
Kradblatt
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Heide und das Klo

Ausgabe: 

01/06

Autor: 

Monika Tiemann


  Irgendwie holt das Schicksal einen manchmal auf merkwürdige Weise ein: Der Frust saß ganz tief. Endlich nach neun Monaten ein Gerichtstermin vorm Arbeitsgericht, dann wird er 4-5 Tage vorher abgesagt, natürlich verschoben von der Gegenseite. So folgte ich dem Ratschlag von Banno: „Nimm Dir an dem Tag etwas Schönes vor. Das hilft!”
Der norddeutsche Sommer 2004 ereignete sich dann genau am 7.7.2004, meinem geplatzten Gerichttermin. Ich sattelte mein Motorrad, fuhr Richtung Ostsee, genoß einen Kaffee in Travemünde, kurvte dann gemütlich Richtung Fehmarn als „die Natur ihr Recht verlangte” (Zitat von Alf, dem Zotteltier vom Melmack).
Und da befindet sich dann kurz vor der Fehmarnsundbrücke rechts am Straßenrand ein Plumpsklo der Kategorie II (mit Wasserspülung). Die „Natur” drückte stark. Mit quietschenden Bremsen fuhr ich das Plumpsklo II an. War nicht Erster. Vor mir ein LKW, dann zwei dunkle, fette BMW-Luxuslimousinen. Äh, mmmh, hier?! Beide mit offen stehenden Türen. An dem Holztisch daneben vier Personen - total inkognito in genauso tief dunklen Anzügen und eine in Kostüm. Äh, mmmh, was, wie?! (Die Blues Brothers lassen grüssen...) Die schauten genauso verwundert auf mein süßes „Kawalinchen”, sprich Motorrad, wie ich auf sie. Der letzte Luxus-BMW mit Kieler Kennzeichen, der davor mit Rendsburger, darin eine genauso inkognito gekleidete Person, engagiert am Funktelefon werkelnd, wohl gemerkt dicken fetten Funktelefon im Zeitalter von Foto-Handy’s und E-Mails! Alles irgendwie äh, mmmh, wie bitte?!?!
Aber es kommt noch besser. Die „Natur” drängte noch stärker. Ich eilte mit Motorradhose auf die Tür mit „Dame” zu. Die durchtrainierte und hoch gewachsene Inkognito (Blues Brohterin) mit tief dunklem Kostüm folgte. Ich öffnete die Außentür mit Dame. Blues Brotherin griff gleich nach. Ähh, wie bitte? Mhhh?! Wollte die mit? „Krieg die Hose echt schon allein runter”, dachte ich für mich, als aus der ersten der beiden Innenkabinen urplötzlich eine andere Dame im offiziellen Kostüm trat: Ohhh, Heide Simonis, die Regierungschefin von Schleswig-Holstein - und damit auch einer der allerobersten politischen Chefs meines Gegners am Arbeitsgericht. Ich denk mir: „Das Schicksal holt dich auch Überall ein!” Natürlich wollte ich sie erst durchlassen, das Plumpsklo II ist nämlich eng. Heide Simonis grinsend freundlich: „Bitteschön!”, und machte mir Platz. Sie, die First Lady, hielt mir die Tür auf. Die Tür fürs Plumbsklo! Äh? Die Beine bereits zusammengequetscht sprang ich schnell und verlegen in die Kabine. Von wegen Abschalten und erholen, denn erstens kommt es anders und zweitens als man meistens denkt. Und wenn’s auf dem Klo ist... Murphy ist überall.
Aber: Alle waren tierisch nett. Keine Übergriffe der „Blues Brothers”. Oder lag es am Ort des Treffens? Nun, die First Lady von Schleswig- Holstein muß nun auch mal auf ein Klo. Und sie frisst definitiv keine Motorradfahrer.
PS: Ich war nicht die „Verräterstimme” bei der Wahl in SH, ganz bestimmt nicht. Mich hatte man nämlich schon eine Weile vorher ähnlich abgesägt - politisch und illegal.
Hallo Leute