
Weil ja das Ölwechseln eine der leichtesten Übungen ist, macht man es
natürlich selbst! Supereinfach wäre es, wenn man das Mopped über einen
Gulli fährt, Schrauben auf und Juchee! Das ginge, na klar, auch auf dem
Hof des ungeliebten Nachbarn - aber als heimliche Wähler der Grünen
fangen wir den schwarzen Saft brav auf und bringen ihn zur
Altölsammelstelle.
Es gibt da sogar eine sehr komfortable
Auffangwanne, recht groß, sie kann danach mit Schraubstopfen
verschlossen werden und somit auch als Transportbehälter dienen. Aber:
Die kostet richtig Geld (25 DM)! Also aus Omas Keller alte Kochtöpfe
geholt, 'nen alten Kanister quer aufgeschnitten und dann mal kucken was
passt. Bei mir passte ein kleiner Topf unter den Ölfilter und der
Kanister unter die Ablass-Schraube. Und dann ging's los:
Ablassschraube auf und - Scheiße! Wieder mal reingeplumpst in die heiße
Brühe, die ganz nebenbei auch die Finger anglüht. In weitem Bogen
schießt der Strahl heraus, um kurz danach zu versuchen, in kleinerem
Bogen den Kanister auszutricksen. Aber das habe ich ja geahnt und ziehe
den Kanister schön dem Strahl hinterher. Als dieser schließlich
senkrecht nach unten läuft, also direkt aufs Rahmenrohr, welches das Öl
auf eine Länge von 15 cm abtropfen lässt (Gießkannen-Effekt), hat der
Strahl dann doch gewonnen. Außerdem nähert sich der Ölstand in diesem
kleinen Scheißkanister bedenklich nah dem oberen Rand, so dass
ruckartige Folgebewegungen nicht mehr möglich sind. Bevor er also
überläuft, schnell den Ölfilter raus. Das klappt soweit ganz gut - ich
frage mich nur, wieso dabei der Ablassschrauben-Strahl kurz auflebt und
eine Kleinigkeit neben meinen Kanister spuckt. Aber da liegt ja sowieso
schon genug Öl, vom Hin- und Herruckeln des Kanisters.
Als sich die Öl-Fälle beruhigt haben, lege ich mich zufrieden neben das
Mopped und genieße die friedlichen kleinen Rinnsale, die brav in ihre
Behälter rieseln. Doch dann beginnen diese blöden Windböen ihren
Schabernack und pusten die Rinnsale dreckigen Altöls in alle
Richtungen, nur nicht in meine tollen Behälter. Obwohl noch Öl
herausfließt (anscheinend enden die kleinen Rinnsale nie) baue ich
schon mal den neuen Ölfilter ein und finger die blöde Schraube aus dem
kochenden Öl, um auch sie wieder an ihren Platz zu setzen.
Jetzt nur noch die Behälter unter dem Mopped hervorziehen und... - nur
noch? Der Kanister scheint an Höhe zugenommen zu haben und verhakt sich
jetzt an der Schraube vom Krümmer. Naja, der kleine Schwapps kann die
Sauerei auf der Straße kaum noch schlimmer machen.
Beim Umschütten des Altöls in einen Transport-Kanister bekommt dann das
Wort „Umschütten” irgendwie eine ganz neue Bedeutung. Auf der Gasse
sieht es schließlich dementsprechend auch nach „umgeschüttetem Öl” aus.
Alles in allem und im Nachhinein betrachtet (die Gasse) ist die Aktion
mit meinem „Umweltbewusst-Gewissen” denn doch nicht so ganz vereinbar.
Außerdem werden die pingeligen Nachbarn wieder schimpfen wie die
Rohrspatzen.
Ich komme also zu dem Schluss: Das muss sich ändern! Bis zum nächsten
fälligen Ölwechsel ist der gute Vorsatz dann meist aber vergessen
und/oder verdrängt. Bei wachsendem Fuhrpark und dadurch kürzeren
Intervallen habe ich mich dann aber doch irgendwann durchringen können,
die oben beschriebene „sehr komfortable Auffangwanne” zu kaufen, zumal
es sie im Schnäppchenkauf für 5 DM gab. Ich sehnte mich nach meinem
ersten Ölwechsel, der nicht die Spur eines Mikroflecks hinterlassen
würde. Ich kam mir vor wie Herr Greenpeace höchstpersönlich. Nie im
Leben wäre ich damals auf den Gedanken gekommen, dass es die größte
Sauerei werden würde, die je ein „Schrauber-Genie” der Umwelt angetan
hat:
Bevor ich das neue, gute Stück von Spezial-Kanister-Auffangwanne unter
das Mopped schiebe, versichere ich mich noch, dass der Verschluss vom
Ausgießer auch wirklich zu ist, diesmal darf ja nix schiefgehen. Dann
den kleinen Schraubstöpsel aus der Wannenmitte rausdrehen (da soll ja
das Öl reinlaufen) und - unter die Maschine mit dem guten Stück. Jetzt
nur noch Schrauben auf und los! Es klappt hervorragend, es gelingt mir
diesmal sogar, die Ablassschraube nicht in die Soße plumpsen zu lassen.
Auch der Trichter der Wanne ist groß genug, um den in hohem Bogen
herausschießenden Strahl aufzufangen. WUNDERBAR!
Mit Entsetzen muss ich dann aber zusehen, wie sich der Trichter füllet
und füllet. Das Öl quillt über alle Ränder und ergiesst sich literweise
aufs Pflaster. Und ich komme mir vor wie Goethes Zauberlehrling:
nass und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen,
welch entsätzliches Gewässer,
Herr und Meister hör mich rufen!
Sogleich
fällt mein Blick auf einen zweiten kleinen Schraubstöpsel, der mich
oben auf der Wanne festsitzend hämisch angrinst. Mit schadenfroher
Stimme höre ich ihn rufen: „Hallihallo, ich bin die Kanisterentlüftung,
hast Du mich etwa vergessen?” Ich schraube dieses kleine Miststück in
Sekundenbruchteilen heraus, aber das jetzt aus dem Motorrad laufende
nur noch kleine Rinnsal signalisiert mir deutlich, dass für dieses Mal
der Supergau perfekt ist.