Günther, der Treckerfahrer zum Thema Motorradfahrer
Ungefährer Wortlaut der Performance von Dietmar Wischmeyer anläßlich
der Vorstellung des neuen Boxers bei BMW in Braunschweig...
Moin. Jetz, wos draußen nich mehr ganz so fußkalt is, bügeln ja wieder
die ganzen Plastikköbbe mit ihre Eierfeilen durche Gegend. Meistens
sinse ja dermaßen schnell vorbeigeballert, daß man ganich mitkricht,
was fürn Teil die sich nu zwischen die Stelzen geklemmt ham. Also
erzähl ich Euch ma kurz, was es da überhaup für ne Knalltüten gibt aufe
Straße.
Der Mofafahrer, die unterste Kategorie

Entweder hamse ihn grad zum dritten Mal den Lappen wechgenommen oder er
is zu knickerich zum Führerscheinmachen. Meist fährt er mit seine
untermotorisierte Versagermühle nachn Supermarkt hin un packt sich den
wacklichen Anhänger voll mit Kartoffelchips und Koma-Pils aus
Einweechpullen. An Wochenende, wenn er ma nich gerade Kartoffelchips
frißt, säächt er bei sein Mofa den Krümmer ab, damit ihn die
Mountainbikefahrer nich dauernd versägen.
Am härtesten sin die Mofaidioten, die ihrn gammeligen Schrotthaufen mit
tausend Rückspiegeln un Plastikfummel dermaßen aufmotzen, dasse bei
Gegenwind nich mehr vonne Stelle kommen. Der größte Traum dieser Nieten
is, einmal mitn Mofa aufe Autobahn un Hauptdarsteller innen
Verkehrshinweis wern.
Der MZ-Fahrer

Gekauft
hatter sich meist die Zonenfeile schon vor zich Jahn, als es die
Sachsenharley noch bei Neckermann innen Grabbelständer gab. Ihn isses
scheißegal, daß der Zweitakthobel häßlich is wie de Nacht un der Tank
obendrauf sitzt wie ein fettes Krebsgeschwür, is ihn deshalb alles
egal, weil er selber häßlich is wien toter Iltis vorn Schminken. Anne
Füße meist Gummistiefel, danne gelbe Gummihose aussen Straßenbau,
weissu, es könnt ja ma reechnen, un obenrum 'n Parka ausse Kaufhalle.
Den Helm hatter gebraucht von ein Kumpel gekricht, der da schon dreimal
mit übere Leitplanke gesegelt is un der dem nu doch nich mehr sicher
genuch is. So bügelt er auf Honneckers Kettensäge Sonnabend nache Disco
hin oder stinkt damit vore Eisdiele rum un wunnert sich, daß ihn die
Tussis nich mitn Arsch angucken tun. Seitdem die Zone nu zu Deutschland
gehört, ham j a auch die Zweitaktschnitzer aus Zschopau neue Kisten
zusammengenietet, nu ham dien englischen Namen unnen österreichischen
Motor un sehn aus, als ob ein Koreaner inne Designerabteilung Amok
gelaufen wär.
Der Endurofahrer

Seitn
paar Jahn, seit es vor lauter komischen Eigenheimsiedlungen und
Mülldeponien kein Gelände mehr gab, wern komischerweise die Dinger
mitte grobstolligen Reifen immer mehr. Aussehn tun die Typen, als
wollten se sofort anne Front fahn, dabei bügeln se bloß nache Eisdiele
hin. Wenn se grad nich ihre Rüstung anham, dann rasense meist mit
T-Shirt un kurze Hose durche Stadt, dasseja auch ne richtig schöne
Schürfwunde zustandebringen, wennse sich ma aufe Fresse legen. Träumen
tunse alle davon, dasse mit ihrn bunten Plastikhobel ma durche Sahara
krajohlen, wird aber meist nix draus, weil einer ausse Clique immer
grad in Krankenhaus liecht, weil er sich anne hochgezogenen Auspuff die
Eier gebraten hat.
Der Gold-Wing-Fahrer

Das
Motorrad als Einbauküche is sein größter Traum. Er sitzt fett aufen
Kunstledersessel, hinten sitzt Mamma, ausse Packtasche glotzt der Pudel
und vome innen eingebauten CD-Spieler läuft Country-Musik. Das ganze
Wochenende überleecht er sich, wo er nochen Gerät einbauen kann un wo
er noch DC-Fix-Folie in Eichenfumiermaserung drüberkleben kann. Nu hat
er sich schon neben den Tank ne Mikrowelle eingebaut un annen Lenker n
Videorecorder, weiß aber noch nich, wie er noch seine Kaffemaschine
unterbringen soll, ohne den Geschirrspüler nochma auszubauen.
Der
typische Gold-Wing-Fahrer is irgendwas zwischen 40 un 60, seine Alte
färbt sich die Haare un er würd sich an liebsten auch noch die Eier
verchromen lassen.
Der Harley-Fahrer

Früher
hatten die ja meist n Schlagring un ham an ihrn Kisten alles
wechgeflext, was irgendwie ging, un den Rest hamse mattschwarz
übergejaucht. Aufn Kopp saß gerne auch ma n Wehrmachtsstahlhelm un drei
Harleyfahrer hatten mehr Jahre Vorstrafen ufn Puckel als ne Schildkröte
alt wird.
Die schönen Zeiten sinnu vorbei. Heute knattert die
Midlife-Crisis durch die Altstadt, hatn Police-Helm auf unne
Fransenjacke an. Unter der Jeans träächt der neue Harley-Fahrer
Boxershorts mit Harley-Abzeichen, sogar zuhause auf sein Lokuspapier
hat er noch ne amerikanische Flagge mit ner Eins drauf. Das kost
natürlich alles ein Schweinegeld, deshalb muß er nebenbei noch als
Zahnarzt oder Werbefuzzi arbeiten.
Alles an sein Schrotthaufen hat er verchromen lassen, bis auf die
Sitzbank, die is aus Bergziegenpenisleder oder sowas, jedenfalls
sauteuer un superempfindlich. Die Harley steht entweder bein Italiener
vore Tür oder bein Händler inne Reparatur. Zur Not wirdse auch ma
gefahn, aber nur, wenns nich reechnet.
Der neumodische Harleyfahrer wollte schon seit seiner Jugend immer ne
Harley fahn, das liecht hauptsächlich daran, daß er ne mädchenhafte
Solex-Mofa fahn mußte als Jugendlicher, als seine ganzen Kumpels mit
ihrn Kreidler-Mustangs ihn die scharfen Schnitten weggeschnappt ham.
Damals hat er sich geschwohrn, irgendwann würd er sie alle naßmachen
mit seine Harley. Nu isser 45, hat seinen überteuren Chromsessel, bloß
die Schnitten von damals fahn jetz viel lieber Opel Vectra.
Der Joghurtbecher-Fahrer

Hauptsache
schnell, Hauptsache viel buntes Plastik, danach sucht er sich sein Ofen
aus. Wo er herfährt merkt er sowieso nich, weil er eh nur auf sein
Drehzahlmesser glotzt bein Fahn, trotzdem reecht er sich auf, weiln
paar Bergstrecken gesperrt sind, weil solche wie er sich da gern ma tot
fahn. An Wochenende brüllt er an liebsten 800 km über die Autobahn,
trinkt anner Tankstelle ne Tasse Kaffe un fährt wieder nach Hause.
Alles an ihm is mörderisch modern, sogar seine Unterhose kommt ausse
Weltraumforschung un vorn drin träächt er Schwanzprotektoren aus
Kevlar. In ein Land ohne Ampel würd er verrückt wern, weil er nich alle
zweihundert Meter die grelle Eierfeile so hochreißen könnte, daß die
Arme fünpf Zentimeter länger wern.
Der BMW-Fahrer

Von
denen gibs ja mehrere, die eigentlich nix mitenander zu tun ham. Da sin
ers ma die Daddies, die sich anfang der Siebziger ne Strich fümf
gezogen ham un die nu jeden Sonnabend vore Garage fahn un eben mitn
feuchten Lappen übem Tank gehn. Die ham nur eine Sorge, dasse eher
abkratzen als ihre BMW und ihre Witwe mitn Akopads übern Chrom rubbelt.
Ja, un da ham wir noch die Heinis, die sich Ende der Siebziger ne
1000er Boxer mit Vollverkleidung zugeleecht ham. Die würdn nu jedes
Wochenende an liebsten zun Nordkap bügeln un sichn neuen Aufkleber anne
Packtasche haun. Weil das aber ihre Alte nich mitmacht, tunse so als ob
bei ihnen vore Garage direkt der Polarkreis anfängt un baun sich erstma
ne Griffheizung an ihrn Eimer dran.
Als die K-Reihe aufn Markt kam fanden die alle Boxerfahrer logisch voll
Scheiße, weil die klingt wie ne Waschmaschine innen Schleudergang.
Soviel Hosketüten kann man an die Gurke gar nich dran machen, bissu dan
vemünpftiges Geräusch rauskrichst. Trotzdem hamse se dann doch alle
gakauft, weil die nich ganz so verboten aussah wie die Schlitzfeilen.
An härtesten war denn aber die K 1, die schnellste Zahnpastatube der
Welt, ein Wendekreis wien LKW und verkleidet wien Motorroller aus
Rumänien. Wenn du da ne R50 nebenstellst, mussu denken, irgendwann in
den Achtzigern ham die Außerirdischen die BMW-Designerabteilung
überfallen.
Das Gegenteil war nu in letzten Jahr die R 100 R, der sogenannte
klassische Boxer, sieht zwar auch kaum klassisch aus, eher wien
indischer Lizenznachbau der R75, fährt aber besser als die alten
Gummikühe, deshalb ham die da im letzten Jahr dermaßen viele von
verkauft, daß der BMW-Motorradchef seinen Posten verloren hat wegen
Übersollerfüllung. Also das Teil verkauft sich wie Bananen in
Magdeburg, sieht noch aus wien richtiges Motorrad un nich wie die
hyperverchromten Angeberfeilen aus Amerika un is auch noch zehntausend
Maak billiger als son Eisenhaufen aus Milwauki.
Fragt man sich nu, warum um alles in der Welt baun die einen neuen
Boxer, der alte war doch assrein, ja habich auch keine Ahnung, müßt Ihr
ma die Fredis von BMW fragen...