
Eigentlich
ist die Einzylinder-BMW F 650 CS Scarver ja als urbanes Flitzerchen
konstruiert worden. Daher spulte unser Dauertest-Bike, das wir im
Januar 2002 mit Kilometerstand 591 von der BMW AG zum Dauertest über
10.000 Kilometer in Empfang nahmen, zunächst viele Kilometer im Berufs-
und Stadtverkehr ab. Abwechslung brachten an sonnigen Wintertagen
Ausflüge über die reizvollen Nebenstraßen des Zürcher Oberlandes, auf
die Alb und ins Elsass. Immer mit an Bord war der Tankrucksack mit
Kartenfach, der sich so toll als Rucksack tragen lässt, und die
kleinere der beiden kombinierbaren Gepäcktaschen. Während der
Winterzeit lernten wir die Griffheizung schätzen. Auch das tadellose
Startverhalten des via Benzineinspritzung gefütterten Einzylinders
überzeugte. Selbst nach zwei extrem frostigen Nächten, welche die BMW
zu Testzwecken im Freien verbringen musste, sprang sie auf den ersten
Knopfdruck spontan an, lief rasch rund. Der Winter hinterließ an der
Scarver keine Rost- oder Korrosionsspuren. Nur die Verschraubung der
vorderen Bremsleitung oxidierte oberflächlich. Besonders witzig waren
die Ausflüge mit dem Zubehör-Soundsystem - aber erst, nachdem der
CD-Player gegen einen MP3-Player getauscht worden war, der auch den bei
hohem Tempo auftretenden Vibrationen widerstand.
Beeindruckend
war, wie sparsam der Einzylinder - trotz der unterhaltsam agierenden 50
Pferdchen - mit dem Sprit umging. Auf der Landstrasse lag der Verbrauch
bei 3,75 l/100 km, auf der Autobahn bei Dauertempi um die 140 bis 150
km/h bei maximal 4,55 l/100 km. Der Durchschnittsverbrauch auf 9414
Testkilometer betrug 4,1 l/100 km, was etwa 385 Euro Benzingeld für die
gesamte Strecke entspricht.
Bis Mai hatte die Scarver bereits
3000 Kilometer im Nahverkehr gesammelt. Zeit für den ersten größeren
Ausflug - mit unserer Redaktionsassistentin im Sattel zum
Enduro-Training in den BMW-Enduropark nach Hechlingen.
Hier eine Zusammenfassung des Statements von Gabi (35 Jahre, 1,68 m, 53
kg): „Die niedrige Sitzhöhe machte mir die Scarver auf Anhieb
sympathisch. Handling, Topspeed, Beschleunigung - alles bestens. Nur
schmerzte mich das Hinterteil nach kurzer Zeit, weil ich weit nach
vorne, auf den kantigen Teil der Sitzbank rutschen musste und nicht in
der ausgeformten Sitzkuhle Platz nehmen konnte.“

Gabi
weiter: „Die sanften Lastwechsel des ruhig laufenden und wartungsarmen
Zahnriemenantriebs sowie der relativ gute Windschutz hinter der kleinen
Scheibe sind gut. Nur das schwache, mit starken Hell-Dunkel-Grenzen
nervende Licht der Ellipsoid-Scheinwerfer störte mich. Was soll's - ich
fahre eh selten bei Nacht. Am meisten gefiel mir, dass man mit der
leichten Scarver so herrlich leicht durch die Kurven flitzen kann.“
Kaum wieder in der Redaktion, entführte Fotograf Waldemar Da Rin, sonst
mit einer Suzuki Bandit 1200 liiert und eher Genießer denn
Knieschleifer, die Scarver auf eine Sardinien-Reise.
Er fand wenig auszusetzen an der kleinen BMW: „Für die kurvigen Straßen
Sardiniens ist die Scarver ideal. Ich konnte das Ding in die Kurven
schmeißen wie ein Fahrrad, die Linie ganz easy korrigieren, wenn eine
Kurve anders verlief, als gedacht. Fahrwerk und Bremsen sind echt gut.
Dem ABS traue ich nicht so ganz - obwohl es, als ich es mal bewusst
ausprobierte - gut funktioniert hat. Leider hat der Motor erst ab 4500
U/min richtig Druck - so war es schwer, an meinen Kollegen mit ihren
dicken Tourern dranzubleiben. Wer vor einer Kurve vergisst, gleich den
richtigen Gang für den Kurvenausgang reinzudrücken, verhungert in der
Beschleunigungszone. Am meisten störte mich das knorzige Getriebe. So
landete ich mehrmals beim schnellen Runterschalten zwischen zwei Gängen
- und es ist wirklich nicht lustig, im Leerlauf auf eine Spitzkehre
zuzusegeln. Darum hat BMW wohl auch keine Ganganzeige ins Cockpit
gebaut - die vielen Nullen zwischen den fünf Gängen hätten darauf gar
keinen Platz! Der Benzinverbrauch ist hingegen sensationell - meist nur
ganz knapp über vier Liter auf hundert Kilometer. Das Gepäcksystem hat
sich bewährt - da passten die gesamte Fotoausrüstung und die Klamotten
für eine Woche rein. Ob es wasserdicht ist habe ich - der teuren
Ausrüstung wegen - nicht ausprobiert, sondern sicherheitshalber einen
Müllsack drübergestülpt. Das haben wir schon früher bei den Stiefeln
praktiziert, als Goretex noch ein Fremdwort war.“
Zur Ehrenrettung von Waldemar und BMW muss an dieser Stelle angemerkt
werden, dass der Schalthebel der Testmaschine kurz vor Waldemars
Abreise, vermutlich durch den Tritt eines BMW-hassenden Vandalen,
leicht verbogen wurde, wobei auch die Aufnahmebuchse ausgeschlagen
wurde.
Nachdem der labbrig herumhängende Hebel – mittlerweile hat BMW zudem
die Aufnahmebuchse modifiziert - gegen ein neues Teil ausgetauscht
worden war, gab es - abgesehen vom vernehmlichen Schlag, wenn der erste
Gang eingelegt wird - keine Probleme mehr.
Und ich verrate noch ein keinesfalls gut gehütetes Geheimnis: Kein Gas
geben, das Bike mit den Fußspitzen beim Einlegen des ersten Gangs ganz
leicht nach vorne schieben. So lassen sich fast alle Motorradgetriebe
dieser Welt, die normalerweise mit einem lauten
„Hurra-der-erste-Gang-ist-drin“-Schlag nerven, vollkommen lautlos und
butterweich bedienen.
Ende Juni hatte die BMW knapp 5800 Kilometer auf dem Tacho. Der bei gut
1000 Kilometern montierte Metzeler-Z4-Hinterreifen war dem Ende nahe,
der vordere hatte noch reichlich Profil.
Dann folgte im Rahmen einer Gewaltstour rund um Deutschland der
gnadenlose Härtetest für die BMW Scarver. 4253 Kilometer - gefahren vom
Autor dieses Berichtes in acht Tagen.
Einmal rund um den großen Kanton: Von Garmisch über München, Chemnitz,
Dresden, Görlitz bis hinauf nach Stralsund, die Inseln Usedom, Rügen
und Fehmarn, weiter über Kiel und Flensburg nach Sylt, zurück über
Bremerhaven, Wilhelmshaven, Jever, an der niederländischen Grenze hinab
nach Köln, über Trier an der französischen Grenze entlang südwärts,
kurz durch den Schwarzwald, hinauf auf die schwäbische Alb und zurück
nach Garmisch.

Doch
schon am ersten Tag gab es unerwartete Probleme - eine auf der Straße
liegende Stahlschneide zerschnitt den Vorderreifen. So mussten beide
Pneus (der hintere Reifen war noch für maximal 500 Kilometer gut und es
war Freitag) gewechselt werden. Nach einigem Suchen war eine Paarung
Metzeler Sportec M1, eigentlich ein supersportlicher Pneu für
Sportmaschinen, und eine Werkstatt gefunden, welche die Pneus montierte.
Was wir danach wussten: Im Bordwerkzeug ist zwar der Schlüssel für die
Zentralmutter der Einarmschwinge vorhanden, der Schlüssel zum Öffnen
der Torx-Mutter am Auspufftopf, der zum Reifenwechsel entfernt werden
muss, fehlt aber. Weil die Scarver keinen Hauptständer hat und normale
Montageständer an der BMW-Einarmschwinge scheitern, wurde das Bike an
der Umlenkhebelei des Federbeins mit einem Autolift angehoben und so
lange von einem Mitarbeiter gehalten, bis der Pneu gewechselt und
gewuchtet war. Was wir noch lernten: Das Anzugsmoment für die
Zentralmutter beträgt 160 Nm.
Aufgrund des Zeitverlustes durch den Pneuwechsel wurde umdisponiert und
die erste Nacht in Garmisch verbracht, wo just an jenem Wochenende das
2. Internationale BMW-Bikermeeting stattfand. Es war ein sehr netter
Abend mit gutem Essen und etwas Bier.
Am zweiten Tag der Tour war Kilometerfressen angesagt. Mit lediglich
einer kurzen Pause in München und mehreren Tankstopps jagten Scarver
und Pilot über die Autobahn hinauf nach Norden. Ein kleiner Abstecher
nach Tschechien – bei Eger hinein, via Chemnitz wieder raus – brachte
viel Kurvenspaß und die Erkenntnis, dass die Metzeler Sportec M1 auf
der Scarver allererste Wahl sind. Grenzenloser Grip, neutrales
Einlenken, kein Aufstellen beim Bremsen, guter Nassgrip auch im
heftigsten Gewitterregen auf tschechischem Rübenacker-Asphalt. Erst in
Dresden, nach mehr als zehn Stunden im Sattel, war Schluss mit Fahren -
es wurde ein komfortables Bett im Kempinski-Hotel gebucht. Nein, wir
Redakteure sind nicht so verwöhnt, aber wegen eines
„Die-Toten-Hosen“-Konzertes waren alle normalen Hotels hoffnungslos
ausgebucht. Die Einträge im Fahrtenbuch: „Das Autobahntempo pendelt
sich bei knapp 150 km/h ein.“ „Die Frontscheibe sollte für meine
Körpergrösse (1,70 m) flacher sein, dafür etwas breiter. Die
Verwirbelungen am Helm machen Ohrenstöpsel zum Muss.“ und „Der Hintern
schmerzt trotz gepolsterter Rennrad-Unterhosen.“
Das Problem der Sitzgeometrie begleitete die Scarver über den gesamten
Test. Große, langarmige Menschen können in die Sitzkuhle rutschen,
haben aber die Beine weit vorne, fast wie auf einem Chopper, und stark
angewinkelt. Kleine Menschen sitzen, wegen des großen Abstands zum
Lenker, nahe am Tank, wo unangenehme Kanten im zudem hier sehr schmalen
Polster ins Gesäß drücken. Ist die Gepäcktasche gut gefüllt, steht sie
übrigens so weit nach vorne über die Sitzbank, dass man gar nicht in
die Kuhle hineinrutschen kann. Auch ist die Kröpfung des Lenkers nicht
optimal. Ein normaler Enduro-Lenker, wie ihn die F 650 GS hat, wäre
wohl besser.
Am dritten Tag führte die Route über Görlitz bis auf die an Polen
grenzende Ostsee-Insel Usedom. Motzte der in der Schweiz von
top-gepflegten Straßen verwöhnte Autor anfangs noch über zu die zu
weiche Telegabel und das Federbein, das im Zwei-Personen-Betrieb schon
mal durchschlägt, war er auf den ultramiserablen Pflastersteinwegen
Ostdeutschlands dankbar für das komfortable Fahrwerk, das selbst auf
übelsten Rumpelpisten die Bandscheiben schont.

Und:
Wer meint, eine Scarver könne nicht sportlich bewegt werden, betrachte
das Action-Bild am Anfang des Berichtes (Bild 2). Das ist doch genügend
Schräglage, oder? Kein im Geiste normaler Biker fährt - egal mit
welchem Bike - viel schneller durchs Kurvengewürm als ein Scarver-Pilot
das machen kann, wenn er es will. Die Scarver ist zielgenau, handlich
und kinderleicht zu fahren. Wechselkurven, Haarnadeln, weite Bögen oder
zuziehende Hundskurven - ganz egal, mit der Scarver machen alle Kurven
Laune. Nur schade, dass sich die Gabel beim harten Anbremsen spürbar
verwindet - ein Gabelstabilisator wie bei den GS-Modellen wäre
sinnvoll. Weiter gings, nordwärts über Peenemünde nach Stralsund, durch
die Alleen auf der Insel Rügen, vorbei an Hünengräbern, über Rostock
und Wismar bis nach Lübeck. Der dichte Stop-and-Go-Urlauberverkehr in
der Marzipan- und Marmeladenstadt – hier ist Schwartau zu Hause – ließ
den Einzylinder trotz 32 Grad im Schatten völlig kalt.
Überhaupt,
der Motor: Benzin einfüllen, alle 500 Kilometer das Öl kontrollieren
und den Luftdruck der Reifen prüfen - wir mussten zwischen dem ersten
Service bei Kilometerstand 1000 und Testende nicht einen Tropfen Öl
nachfüllen, niemals war etwas nicht in Ordnung! Nach einer Nacht am
Timmendorfer Strand und einem herrlichen Sonnenaufgang an der Ostsee
ging es am fünften Tag via Kiel hinauf nach Norden, dann mit dem Zug
auf die Insel Sylt, wo am Ende der mautpflichtigen „Ellbogenstrasse“
der nördlichste Punkt Deutschlands liegt. Am Abend des sechsten Tages,
nachdem die Scarver auch eine Fahrt mit der Elbfähre in Glückstadt
problemlos überstanden hatte, hieß es in Bremerhaven: „Land unter,
Regen mit 30 Grad Vorhalt unter steifer Brise aus Nordwest frontal ins
Gesicht.“ Der Scarver war’s egal - sie marschierte klaglos weiter. Nur
die Gepäcktaschen kapitulierten vor den Wassermassen.
Am siebten Tag eine Schrecksekunde: Im extrem dichten Urlaubsverkehr
auf einer Autobahnumfahrung staut es plötzlich. Weil es kurz zuvor
geregnet hatte war der trocken scheinende Asphalt glitschig. Das
einfache ABS regelte zwar korrekt aber doch eher grob - es reichte halt
nicht mehr. Die Scarver verdaute den Aufprall auf den Ford Kombi
erstaunlich gut: Kleiner Schlag im Felgenhorn, Kotflügel gesplittert,
Lenker in den Klemmen verdreht. Nach Zurückdrehen des Lenkers, Lösen
und neu Fixieren aller Gabelklemmen Entwarnung: Gabel und Lenkkopf
waren in Ordnung, die CS lief freihändig gefahren immer noch geradeaus.
Am achten Tag schnurrte die Scarver gewohnt lässig heimwärts, geizte
mit dem Sprit, malträtierte das Hinterteil, bereitete ansonsten nur
Spaß. Im Schwarzwald und auf der schwäbischen Alb wurden die Fußrasten
zurechtgefeilt, der vom Autobahnfahren unrunde Reifen wieder
zurechtgefahren. Nach 4200 Kilometern war der hintere Gummi noch für
weitere 500 bis 1000 Kilometer gut, der vordere hätte die Tour locker
nochmals in umgekehrter Richtung gepackt.
Unser Fazit nach 10.000 Kilometern: Die BMW F 650 CS ist frauen-,
alltags- und reisetauglich. Sie ist zuverlässig, extrem leicht zu
beherrschen und birgt für Könner ein hohes Spaßpotenzial. Sie ist gut
ausgestattet (ABS, Griffheizung, Gepäcksystem), umweltfreundlich
(geringer Verbrauch und Dreiwege-Kat), pflegeleicht (gute
Verarbeitungs- und Lackqualität, Zahnriemenantrieb) und günstig in
Anschaffung und Unterhalt. Metzeler-Reifen sind für dieses Motorrad
erste Wahl. Von der Modellpflege erwarten wir zuerst einen bequemeren
Sattel. Dazu besseres Licht, Hauptständer, Gabelstabilisatoren und eine
aerodynamischere, vorzugsweise einstellbare Frontscheibe. Die nächste
Deutschland-Tour würde wohl nur sechs Tage dauern.
Die Tops und Flopps:
Bei
Kilometerstand 591 übernahmen wir die BMW in den Dauertest. Bei
Kilometerstand 1235 wurde der obligate erste Kundenservice durchgeführt
und die Bereifung von Michelin Pilot Sport auf Metzeler Z4 gewechselt.
Mit diesen Reifen fährt die Scarver stabiler und dennoch sehr handlich.
Außerdem sind die Metzeler-Gummis im Regen haftfähiger.
Das als
Zubehör erhältliche Soundsystem machte anfänglich Schwierigkeiten. Mit
einem Sony-CD-Player bestückt spielte es zwar mit beeindruckend gutem,
zudem mit höherem Tempo automatisch lauter werdendem Sound, aber wegen
der einzylindertypischen Vibrationen stieg der CD-Player bei Tempi
oberhalb von 100 km/h immer wieder mal aus. Mit einem MP3-Player
bestückt waren die Probleme verschwunden, der Sound war wunderbar. Also
wenn Soundsystem, dann nur in Kombination mit einem MP3-Player ohne
mechanische Teile.
BMW geht bei der Anordnung der Schalter für Blinker und Hupe gerne
eigenwillige Wege - das wissen wir. Wir wissen auch, dass man sich an
die BMW-eigene Drei-Schalter-Blinkerbetätigung bei den großen
Boxer-Modellen schnell gewöhnen kann. Die vertauschte Anordnung von
Hupen- und Blinkerschalter bei der Scarver kann indes mit einem
einzigen Wort beschrieben werden: superhypermegadämlich! Immer wieder
erschrecken Automobilisten, wenn der Scarver-Pilot hupt, wenn er
abbiegen will. Und Idioten, die ihm mal die Vorfahrt nehmen, wundern
sich, wie in drei Teufels Namen der Scarver-Pilot beim abrupten
Ausweichhaken-Schlagen noch korrekt blinken kann!
Die Verarbeitungs- und Lackqualität sind auch bei der F 650 CS
vorbildlich. Einmal gründlichst gereinigt erstrahlte die Scarver fast
genauso schön wie am ersten Tag. Vor allem die Lackierung des Motors
macht Reinigungsarbeiten zum Vergnügen. Nur die unschöne, raue
Oberfläche der Einarmschwinge ist schwer sauber zu halten.
Der Motor der Scarver ist aus den F 650 GS-Modellen bestens bekannt. In
der Scarver leistet er dank anderer Airbox und voluminöserem Endtopf
exakt 50 PS. Im Langstreckentest erwies sich die Scarver als extrem
sparsam, der Motor lief über die volle Distanz absolut fehlerfrei.
Der Auspufftopf mit dem integrierten, geregelten Dreiwege-Katalysator
wird allerdings sehr heiß. Wer von der linken Fahrzeugseite an das Bike
herantritt, um beispielsweise etwas auf den Gepäckträger zu schnallen,
muss aufpassen, dass er sich nicht das rechte Schienbein ansengt. Die
komplett aus Edelstahl gefertigte Auspuffanlage kann nicht rosten,
läuft aber oberflächlich gelb, blau und golden an. Diese Verfärbungen
können mit Edelstahl-Polituren wie „Stahlfix“ leicht entfernt werden.
Eingebrannter Schmutz hinterlässt zwar unschöne aber unvermeidbare und
überdies harmlose dunkle Flecken.
Das BMW-Gepäcksystem für die F 650 Scarver ist überaus durchdacht,
leicht in der Anwendung und sehr praxisgerecht. Der kleine
Tankrucksack, Softbag genannt, mit dem Kartenfach ist genial, bietet er
doch Platz für alle Papiere sowie eine Spiegelreflexkamera samt
Teleobjektiv, Blitz und Stativ. Der Tankrucksack erwies sich bei
längeren Regenfahrten als wasserdicht. Der alternativ verwendbare
Hardcase-Aufsatz für die Tankmulde ist dank Schloss diebstahlsicher und
vollkommen wasserdicht. Doch leider hat er kein Kartenfach, scheidet
für die große Tour also aus. Die Helmspinne ist ebenso praktisch, wurde
von uns aber - ehrlich gesagt - nur ein- oder zweimal zu Testzwecken
verwendet. Die Gepäcktaschen fürs Heck sind groß genug auch für längere
Urlaubsreisen. Sie sind in wenigen Minuten montiert und wieder
abgenommen, können bequem als Rucksack getragen werden. Leider bieten
sie aber nicht den Diebstahlschutz abschließbarer Koffer und bei
längeren Regenfahrten drang an den Reißverschlüssen stets Wasser ein.
Das Bordwerkzeug ist von sehr guter Qualität und - sehr lobenswert - ab
Werk mit einem Pannenflickset für Schlauchlosreifen bestückt. Dieses
Pannenflickset rettet uns schon bei der Weltpräsentation der Scarver in
Nizza, als eine Glasscherbe den hinteren Pneu zerschnit. Leider fehlt
aber im Bordwerkzeug der passende Torx-Schlüssel, um die Schraube am
Auspuffhalter zu lösen. Doch der Endschalldämpfer muss abgenommen
werden, wenn man das hintere Rad zum Reifenwechsel selbst ausbauen
möchte.
Für Scarver-Fahrer, die auch mal selbst schrauben wollen ist es ohnehin
empfehlenswert, sich einen guten Satz Torx-Werkzeug zu kaufen, denn
solche Schrauben (mit Innen- und Außen-Torx) finden sich aus
Designgründen überall an der F 650 CS.
Da die Scarver leider keinen Hauptständer hat, ist für leichtere
Service- und Reinigungsarbeiten der Kauf eines Montageständers, wie ihn
die BMW-Werkstätten verwenden, sinnvoll.
Sehr überzeugend ist der Zahnriemen-Antrieb der F 650 CS. Während der
Testzeit wurde der Riemen nicht nachgespannt, zu Testende war die
Riemenspannung dennoch korrekt. Im Rahmen einer Rückrufaktion, bei der
auch das Anzugsmoment der hinteren Bremssattelbefestigung geprüft
wurde, erhielt die F 650 CS bei Kilometerstand 5789 aus
Sicherheitsgründen eine neue Befestigungsmutter am vorderen Riemenrad.
Das hintere Riemenrad, welches im Rahmen der Rückrufaktion auf
Haarrisse geprüft wurde, war völlig in Ordnung.
Die Federungskomponenten der Scarver funktionierten ohne Beanstandung.
Das via Umlenkhebel angelenkte Zentralfederbein ist für Menschen bis 75
kg komfortabel aber nicht zu weich gefedert. Die Gabel dürfte straffer
gedämpft sein, außerdem wäre ein Gabelstabilisator wünschenswert, damit
sich die Gabel beim scharfen Bremsen nicht verwindet. Auch
Gabelprotektoren machen Sinn, damit die Reste zerschmetterter Insekten
nicht an den Simmerringen reiben, was zu kostspieligen
Gabel-Undichtigkeiten führen kann.
Der Dauertest endete bei Kilometerstand 10.005 - ohne jeden Defekt!